Themenreihe: A5-Neubaugebiet, Frischluftzufuhr

Themenreihe: A5-Neubaugebiet, Frischluftzufuhr

Luft:
Eine nahrhafte Substanz,
welche die Vorsehung großzügigerweise kostenlos zur Sättigung der Armen zur Verfügung stellt.

Ambrose Bierce, US-amerikanischer Schriftsteller und Journalist, 1842 – 1914

Neben Wasser ist auch die Luft für den Menschen natürlich unabdingbar. Und dabei geht es nicht nur darum, genügend Luft zum Atmen zu haben sondern auch darum, wie die Qualität dieser Luft ist. Vermutlich kennt jeder von uns den Moment des bewussten Durchatmen, hat man das Stadtzentrum erst einmal verlassen. “Hier ist richtig gute Luft”, höre ich meine Eltern sagen, wenn wir das Rhein-Main-Gebiet in Richtung Eifel zum Verwandten-Besuch verlassen haben. Für mich roch das als Kind in erster Linie nur nach Landwirtschaft, Kuhfladen und irgendwie “anders”. Mittlerweile ist aber auch mir bewusst, wie gut es tut einmal durchzuatmen – in jeglicher Hinsicht, aber besonders beim Zugang von Frischluft. Mit dem Umzug von Rödelheim nach Niederursel können wir uns zu den wenigen glücklichen zählen, die direkt in und an einer Frischluftschneise Frankfurts leben. Wenn wir auf unserem Balkon einen Kaffee und den Blick über die Felder auf den Taunus genießen, weht immer wieder eine frische, kühle Brise vorbei. Schön! Doch nicht nur an den Randgebieten der Stadt ist diese Frischluftzufuhr wichtig: Für ganz Frankfurt sind Zufuhrmöglichkeiten von Frischluft immens wichtig. Wir können seit Jahren erkennen, dass besonders im Stadtzentrum durch Neubauten (besonders mit Glas) und Flächenversiegelungen, immer höhere Temperaturen, trockenere Luft zu stauen scheint. Ein Tag mit 30 Grad Celsius fühlt sich am Willy-Brandt-Platz an, wie 45 Grad Celsius auf dem Feld an der A5 – zumindest für mein subjektives Empfinden. Schließen wir nun durch weitere Bauvorhaben wie das Neubaugebiet an der A5 eine weitere, wichtige Zufuhr von Frischluft in den Frankfurter Norden – und das betrifft einen riesigen Teil des Nordens – führt das zu noch höheren Temperaturen vor Ort. Klimatologe Lutz Katzschner, Professor an der Universität Kassel, der für die Stadt Frankfurt den erst im vergangenen Jahr überarbeiteten Klimaplanatlas erstellt hat, hält es für entscheidend, dass die sogenannten Abflussbahnen der Kaltluft nicht bebaut werden. Denn auf denen fließe vor allem nachts die auf den Feldern entstehende Kaltluft hangabwärts bis ins Niddatal und kühle den nordwestlichen Teil der Mainmetropole maßgeblich ab.¹

Ich persönlich hoffe, dass sich der Widerstand gegen die “Josef-Stadt” auch endlich in weiteren Teilen Frankfurts erhebt. Denn letztendlich betrifft das Neubaugebiet fast ganz Frankfurt, wie wir im Bezug auf die Frischluftsituation in folgenden Bildern sehen können:

Auf dieser Karte ist deutlich zu sehen, dass die Felder rund um Niederursel noch grün sind.
Nicht auszudenken, was bei einer Bebauung dort entstehen würde.
Auch hier noch einmal gut zu sehen, was die Freiflächen bedeuten. Foto: Klimafunktionskarte 2016²

Quellen/Legenden

¹ Zitat aus der FAZ vom 06.07.2017
² Foto, Zuschnitt aus der Klimafunktionskarte 2016 (Klick für die .pdf)

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