Gedankenspiel: Fahrräder mit Kennzeichen?

Gedankenspiel: Fahrräder mit Kennzeichen?

Vor einiger Zeit wurde Frankfurt mit sog. eScootern überschwemmt. Mittlerweile hat sich das Angebot in fast alle Stadtteile ausgeweitet, überall sieht man eScooter am Straßenrand stehen – oder liegen. Doch mal abgesehen von den immer wieder aufkommenden Diskussionen bezüglich Nutzen, Kosten und Stadtbild-Zerstörung, kam mir vor einiger Zeit ein ganz anderer Gedanken. Denn natürlich wird auch immer wieder über die Verkehrssicherheit der eScooter gesprochen. Quasi über Nacht wurden für eScooter Vorschriften erlassen: Fahrradwegnutzungspflicht, Front- und Heckbeleuchtung, eine Zulassung durchs Kraftfahrtbundesamt und – in meinem folgenden Gedankenspiel besonders wichtig: Kennzeichen– und Versicherungspflicht. Ich selbst darf seit kurzem einen eScooter mein Eigen nennen und konnte auch schon die ein oder andere Runde drehen – ein Riesenspaß! Doch als eScooter-Besitzer, der mit seinem Gerät natürlich auch die Radwege bzw. die Straße nutzen möchte, musste ich auch eine Haftpflichtversicherung abschließen – dies ging online in Minuten und das Klebekennzeichen war innerhalb weniger Tage bei mir – tolle Sache. Nun werden eScooter häufig mit Elektro-Fahrrädern gleichgestellt und auch letztere erfreuen sich immer größerer Beliebtheit. Auch in meinem Familienkreis sind mehrere E-Radler unterwegs. Was mir jedoch bei diesem Vergleich fehlt ist die Frage: Wieso brauche ich für mein “Elektrokleinstfahrzeug“, wie mein eScooter in Beamten-Deutsch heißt, eine separate Versicherung samt Kennzeichen und ein e-Bike nicht? Man muss hierbei bedenken, dass mein eScooter maximal 20km/h fahren darf, dazu Maximalmaße einhalten muss und – ohne Fahrer – nicht mehr als 55KG wiegen darf. Ein e-Bike darf in der Regel bis 25km/h versicherungs– und kennzeichenfrei gefahren werden. Soweit die Theorie. Ich möchte mich auch gar nicht auf e-Bikes einschießen oder verurteilen, da ich sie grundsätzlich auch als Fortbewegungsmittel gut finde. Stellen wir uns die oben genannten Fragen doch mal bei einem völlig normalen Drahtesel. Man braucht keine Versicherung, kein Kennzeichen, nichts. Ich kann mit einem Fahrrad – theoretisch – so schnell fahren wie ich möchte. Ich frage mich: Warum haben eigentlich Fahrräder (und e-Bikes) nicht die gleichen Pflichten wie eScooter, sind sie doch angeblich gleichgesetzt und vergleichbar? Bei den ganzen Verkehrsverstößen von Radlern welche mir täglich(!) begegnen, wäre es aus meiner Sicht gar nicht verkehrt mal über eine Kennzeichnungspflicht für Fahrräder nachzudenken. Und damit quasi auch einer Versicherungspflicht. Wie oft mag es vorkommen, dass ein Radler einem parkenden Fahrzeug den Spiegel abfährt und weiterrollt, ums Eck fährt und nie wieder auftaucht? Die Gefahr (wieder)erkannt zu werden wäre viel größer und die Angst vor hohen Reparaturkosten wäre durch eine Kennzeichen- bzw. Versicherungspflicht unbegründet. Auch könnte man durch vorhandene Kennzeichen geklaute oder wahllos abgestellte Räder bzw deren Besitzer identifizieren.

Ich finde den Gedankengang einer Kennzeichen- und Versicherungspflicht für Radfahrer gar nicht verkehrt. Leider ist die Fahrradlobby auch in Frankfurt ziemlich groß, was man u.A. an den vielen (für mich seltsamen) Veränderungen der Straßenverhältnisse und der Straßenplanung erkennen kann.